LEONORA PRUGGER - JONA SALCHER

ORADECÀ

26/06/2020 - 14/07/2020

MALEREI & FOTOGRAPHIE

VERNISSAGE: 26.06.2020 - 20:00 Uhr

Einführung: Esther Videsott
Intermezzo: Duo Carmen & Simon

Öffnungszeiten der Ausstellung

27.06. - 14.07.2020

16:00 - 19:00 (Montag geschlossen)


LEONORA PRUGGER

Wenn die Sonne untergeht und der Mond erscheint, werden unsere komplexen sozialen Normen von dem vibrierenden Rhythmus des Nachtlebens betont. Was wir als Nachtleben betrachten, bestehend aus Mythen, Verhaltensregeln und Gewohnheiten, wird oft als „gute Zeit“ in Verbindung gebracht. Übertriebenes und auffälliges Verhalten wird nicht nur toleriert, sondern vor allem angeregt. Am Wochenende wird eine lebendige multisensorische Erheiterung erwartet. Es ist eine Erwartung an etwas das kommt, und die Langeweile, doch stetig überfüllt von akustischen und visuellen Eindrücken, für einen kurzen Moment betäubt. Wenn die Zeit reif ist und das Ende der Woche da ist, werden endlich Besorgnisse und Ängste des Alltags durch übermäßige Euphorie in den Hintergrund gedrängt. Mit denselben Erfahrungen verbinden wir jedoch eine unausgesprochene, lauernde Angst und Unruhe, die wir stets in uns tragen. Intensive Bilder, Geräusche und Gerüche werden wahrgenommen. Unsere Sinne werden überwältigt und der Rausch wird zum Zustand des Ungemütlichen. Was wir dann erwünschen, ist die Leere. Diese ambivalenten Erfahrungen des Nachtlebens füllen meinen reellen Raum der Leinwand. Das Festhalten der Eindrücke wird zum Ritual in den Gestalten Formen annehmen und Farben Flächen füllen. Die leere Leinwand ist ein leerer Raum, der zu einer innerlichen Unruhe führt. Das sich wegwünschen des leeren Raumes und der inneren Leere treibt mich zur Malerei.

JONA SALCHER - No illusions
Sie scheinen auf den ersten Blick als Illusionen. Sie scheinen einen unechten Raum zu zeigen, eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit. So fühlt sich der unaufmerksame Betrachtende in seiner Wahrnehmung getäuscht, um die Deutlichkeit der Betrachtung betrogen. Auf den zweiten Blick aber geben sie sich als wirkliche Orte zu erkennen. Der aufmerksame Betrachtende versteht in ihnen tatsächlich realisierte Utopien: 
Heterotopien. Sie zeigen Menschen, da wo sie sind und gleichzeitig auch dort, wo sie nicht sind; in einem unwirklichen Raum. Denn die Heterotopie vermag an einem einzigen Ort mehrere Räume zusammenzulegen, die an sich unvereinbar sind. Die geographische Fixierung wird in ihnen gelöst. Die Straßen Marokkos existieren in demselben Raum wie die Partynächte Münchens. Alltagsszenen eines Landes, in dem sich die Armut und Ungerechtigkeit an der Oberfläche schon zeigen, überlagern sich mit Feierszenen der Fülle und Ausgelassenheit einer Gesellschaft des Wohlstandes. Das Verdrängte der westlichen Welt wird in der Verdrängung an die oberste Schicht befördert. Ganz schicksalhaft, ist die einstehende Heterotopie doch zu einem Teil ein Produkt des Zufalls. Denn die Kombination der zwei Welten, eine doppelte Belichtung, ein doppelter Blick mit dem Gedächtnis der Kamera, ist eine zufällige Vereinigung. Es wirkt doppelt ein, auf den Betrachtenden und auf den Film. Es ist und fordert Einlassen. An das Prekärste der Zeit geknüpft, zeigt das Werk einen flüchtigen Moment, der zugleich auch auf der analogen Filmemulsion für immer gespeichert ist. In ihnen sind nicht nur zwei Orte vereint, auch zwei Zeiten, Tag und Nacht, Tradition und Moderne synchronisieren sich. Gegenüber dem verbleibenden Raum haben die Fotografien eine Funktion, die sich zwischen den Polen entfaltet. In diesem verbliebenen Raum steht der Betrachtende, der dem Einblick in zwei Welten durch eine Fotografie gewährt wird. Es liegt an ihm, sich zu entscheiden, ob diese Heterotopien doch einen Illusionsraum erschaffen haben, oder aber den Realraum, den Raum in dem er selbst steht, als noch illusorischer denunzieren.
Lavina Stauber